Ein wunderbares Interview. Im vorhergehenden Beitrag schon einmal zitiert. Hier noch ein paar Auszüge mehr:
Sie haben dann begonnen, englischsprachige Literatur zu übersetzen.
Bei den ersten 50 Büchern habe ich viel Mist angenommen, damit die Leute nicht sagen: ‚Er kann sich das nur leisten, weil er Rowohlt heißt, das arrogante Arschloch.‘ Ich bin zwar ein arrogantes Arschloch, aber das hat mit dem Namen nichts zu tun.
Mittlerweile haben Sie einen legendären Ruf als Übersetzer und können sich aussuchen, was Sie machen. Aber wird das nach 30 Jahren nicht auch ein wenig langweilig?
Nein, genauso wenig wie Lesen. Ist ja immer ein anderes Buch. Außerdem lese ich die Bücher, die ich übersetze, nicht vorher. Ich lese immer nur das Pensum des kommenden Tages, damit ich weiß, was auf mich zukommt. Dadurch bleibt die Spannung erhalten. Gerade übersetze ich den zweiten Krimi eines irischen Autors. Im ersten Band hat der Ich-Erzähler gesoffen, im zweiten säuft und kokst er. Jetzt bin ich gespannt auf die Bände drei und vier.
Bekommt man nicht schrecklichen Durst, wenn im Roman so viel gesoffen wird?
Schwierig. Aber ich übersetze ja auch Sex-Szenen und muss damit auch irgendwie zurandekommen.
[…]
Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer.
Sie werden auch im richtigen Leben öfter für einen Obdachlosen gehalten.
Außerhalb des Fernsehschirms werde ich – außer für die Reinkarnation von Marx – für alles Mögliche gehalten. In Köln hat mich neulich einer angesprochen, ob ich Bhagwan-Anhänger bin. Dabei hatte ich ein schwarzes Mützchen auf, kein orangenes. Ich habe ihm gesagt: „Nein, ich bin Kommunist.“ Da hat er mich gefragt: „Was ist das denn?“ Der Typ war echt gründlich verpeilt.
Ich mag Menschen mit Ecken und Kanten. Originale. Gibt nicht mehr viele…